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Blog

04 Mär

Warum immer ich. Ich habe keine Zeit.

by Claudia Kroh

Morgens 8.00 Uhr verbarrikadieren sich so manche Führungskräfte mit ihrem Kaffee hinter ihrer Safezone. Sie ahnen es sicherlich, ich rede von der unüberwindbaren Grenze für jeden der sich davor platziert - dem Schreibtisch. Ein beunruhigter Mitarbeiter hier, ein umsatznervöser Vertriebler da, ein Selbstdarsteller und, runden wir das Szenario ab, der Neuzugang aus letzter Woche. Alle wollen sie mit Ihnen reden, Sie sind die Führungskraft, der Ansprechpartner und Seelentröster. Jeder hat irgendwelche persönlichen Belange, für die Sie im Moment eigentlich gar keine Zeit haben. Das nächste Meeting steht an, die Auswertung für die Geschäftsführung ist auch noch nicht fertig, ab Mittag haben Sie anderweitige Termine außer Haus und dann das. Ihnen läuft die Zeit davon.

Der beunruhigte Mitarbeiter berichtet von Gerüchten einer Übernahme durch den Wettbewerber, das habe er von einem Kunden erfahren. Der umsatznervöse Außendienst erläutert das die Marktpreise in der letzten Woche extrem gefallen sind, weniger Aufträge geschlossen wurden und man die interne Kalkulation überdenken solle. Der Selbstdarsteller hält wieder einmal die top secret Informationen aus dem Markt und die neusten Gerüchte aus dem Haus für Sie bereit. Der Neuzugang von letzter Woche will auch noch von Ihnen wissen, wer eigentlich sein Ansprechpartner für die Einarbeitung sei. Zwischendurch klingelt ihr Festnetz und Mobiltelefon in einer Tour, die E-Mails rasseln rein und Ihre Kalendereinträge hissen schon die weiße Flagge.


Welches Täubchen hatte Ihnen damals eigentlich gezwitschert, das man Führung so neben bei erledigen kann. Ist doch nicht viel Aufwand, so ein paar Leute in einem Team zu führen und anzuleiten. Komisch nur das sich gerade alles in eine andere Richtung entwickelt. Ihre Mitarbeiter wirken nörgelig und unzufrieden. Sie bemerken, dass sich aus einem Team kleinere Gruppen bilden und teilweise sogar Einzelkämpfer daraus mutieren. Die Grüppchen arbeiten zudem eher gegeneinander und die früher so gute Abstimmung unter den Kollegen ist Schnee von gestern. Jeder weiß etwas über den anderen zu berichten, selbstverständlich nicht nur das Beste, aber wenn Sie die Kaffeeküche betreten wird der „Flurfunk“ sofort beendet und alle verteilen sich mit Blitzgeschwindigkeit zurück an ihre Arbeitsplätze.

STOP! STOP! STOP!

Wir ziehen mal kurz an dieser Stelle gemeinsam die Notbremse. Was ist passiert?
Die Führung des Teams wurde zur lästigen und unliebsamen, zeitraubenden Nebenbeschäftigung. Sie haben einfach keine Zeit sich um jedes „Wehwehchen“ zu kümmern, schließlich werden Sie auch an Ihren Zielvorgaben gemessen. Bedenklich wenn hierbei jedoch auch die Ziele Ihres Teams mit in Ihre Zielerreichung einfließt.

Führung braucht Zeit! Wenn die Führung zu kurz kommt, leidet relativ kurzfristig bereits die Produktivität und wirkt sich weiter negativ auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus. Was sich wiederum wie eine Spirale weiter ausbreitet. Unzufriedene Mitarbeiter können schnell andere Mitarbeiter im Team, oder auch aus anderen Abteilungen „anstecken“. Die Gerüchteküche fängt an zu brodeln und irgendwann erfährt auch der Kunde, oder Wettbewerber von den vermeintlichen Intrigen und Machenschaften in Ihrer Abteilung, oder in Ihrem Unternehmen.

Ok, ich denke wir haben jetzt genug Worst Case Szenarien durchgespielt. Das sich die Führungsqualität auf die Unternehmenskultur auswirkt haben wir auch gesehen. Also, packen wir´s an.

Der Kontakt

E-Mails eignen sich ja hervorragend für Arbeitsanweisungen, Freigaben, oder Abstimmungsprozesse. Aber erinnern Sie sich noch an die gute alte Face- to- Face Kommunikation? Sicher tun Sie das. Wenn Sie also in Ihrer Abteilung sind und den Mitarbeiter aus dem Büro nebenan etwas mitteilen möchten, so wählen Sie doch mal den direkten Austausch. Das raubt weniger Zeit als Sie jetzt vielleicht vermuten. Sie können sich unmittelbar abstimmen, auf Fragen und Unklarheiten eingehen, statt für einen Vorgang 20 E-Mails hin und her zu senden. Außerdem suggerieren Sie eine Wertschätzung ihrem Mitarbeiter gegenüber. Sie nehmen sich für ihn die Zeit für ein Gespräch! Durch den Austausch und die empfundene Wertschätzung, lernen Sie ihre Mitarbeiter besser kennen, bauen Hürden ab und stärken den persönlichen Kontakt. Hierdurch erfahren Sie die wirklichen Bedürfnisse und Grundeinstellungen, da die Mitarbeiter sich Stück für Stück öffnen werden. Dies gibt Ihnen eine gute Grundlage für Ihre Führungsarbeit, da Sie individueller auf die jeweiligen Personen eingehen können. So werden Sie zukünftige Aufgaben zielgerichteter verteilen und auch die Abstimungsprozesse beschleunigen können.

Das Wissen ist unter uns

Ihre Mitarbeiter haben unterschiedlich ausgeprägtes Fachwissen und sind vielleicht sogar Profis in bestimmten Bereichen Ihrer Abteilung. Vernetzen Sie das Wissen untereinander und fördern Sie den Austausch, Sie sind dabei eingeschlossen! Wenn die Mitarbeiter verstehen, warum- wieso- weshalb nun gerade der Vorgang X bearbeitet werden muss, können sie sich damit identifizieren. Geizen Sie daher nicht mit Informationen bei neuen Arbeitsanweisungen. Um den Austausch und die Wissensvernetzung anzuregen können Sie hier mit guten Beispiel voran gehen. Bringen auch Sie Vorschläge und Ihr Wissen mit ein. Das wird die Mitarbeiter anregen, den Blick über den Tellerrand zu wagen und sich mit den Kollegen auszutauschen. Also Schluss mit dem Inselwissen, erzeugen Sie ein Klima für engagierte, mitdenkende und flexible Mitarbeiter.

Integrieren Sie Ihren Führungszeitpuffer

Das klingt etwas seltsam, aber wenn Sie versuchen sich bewusst zu machen, das eben Führung nicht so nebenher laufen kann, sondern Zeit in Anspruch nimmt, planen Sie diese ein. Ich weiß, Zeit haben wir alle nicht, aber wir können sie uns nehmen indem wir Prioritäten setzen. Versuchen Sie sich jeden Tag kleine Freiräume zu schaffen. Die Zeit und die damit verbundenen Kosten die Sie Anfangs investieren, werden sich mittel- und langfristig in einen Nutzen für Sie und Ihre Mitarbeiter wandeln. Schaffen Sie es ein starkes Team aufzubauen, wird sich die tägliche Zeitinvestition reduzieren. Ein eingespieltes Team braucht weniger Abstimmungsprozesse und stärkt und unterstützt sich untereinander.

Führung bedeutet Verantwortung und Zeit.

 

 

 

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